Instandsetzung historischer Gerberhäuser
Bauherr: Eigentümergemeinschaft Formann, Nobis, Danz
Bauzeit: Frühjahr 2015-Winter 2016
Leistungsphasen: 1-9, Bestandsaufnahme

Vorgeschichte
Das Gerberviertel oder besser die Gerberhausbebauung entlang der Schwemmnotte ging ursprünglich wohl über Allerheiligen bis zur Görmaerstraße  Mit der Industrialisierung siedelten sich die größeren Lohgerbereien außerhalb der Kernstadt an. Die topografische Siedlungskontinuietät wurde damit unterbrochen.
Im Mühlhäuser Geschoßbuch von 1418 werden in der Platea cerdonum, in der jetzigen Lohsengasse 12 Namen erwähnt. Die Cerdones, Gerber wurden bereits 1297 in dem ihnen erteilten Privilegium als solche bezeichnet, bei der Erneuerung der Urkunde 1558 wird sie als Handwerksordnung der Lohgerber übersetzt, im Jahre 1526 werden in der nun Löbergasse genannten Straße nur 4 Geschoßzahler erwähnt, in der Kuttelgasse waren dagegen schon im Jahre 1418 23 wenig zahlende Bürger registriert. In der Kuttelgasse finden sich Baureste einer weit größeren Ansiedelung von Gerberhäusern, allerdings an zentraler Stelle in direkter Umgebung des Gerberinnungshauses der Familie Demme am Entenbühl 3.

Zielstellung
Der Bauherr plant die Sanierung der seit Jahrzehnten leerstehenden Gerberhäuser auf diesem Grundstück. Trotz enormer Baumasse (Trockenböden) sollen hier nur 4 kleine Wohnungen, z.T. über 2 Etagen entstehen. Ein Ausbau der Trockenböden kommt, trotz herrlicher Fernsichten aus diesen Geschossen, aus Brandschutzgründen nicht in Frage.
Größter gestalterischer Eingriff wird der Umgang mit der Westfassade sein. Da es sich bei der derzeitigen Fachwerksichtigkeit um ein Zufallsprodukt handelt (durch Abbruch der Nachbarhäuser entstanden) und die Fachwerksichtigkeit an der Westfassade auch konstruktiv kaum beherrschbar ist (Schlagregenbelastung!) fiel die Entscheidung zugunsten einer modernen Fassade mit großformatiger Plattenverkleidung und scheinbar zufällig angeordneten Fensteröffnungen. Die beiden historisch sichtbaren Fassaden zur Kuttelgasse und Zum Damme dagegen werden im Bestand erneuert.

Problematik
Das Gerberhaus Kuttelgasse 6 ist eines von vielen schmalen Gebäuden, die sich in der Kuttelgasse aneinander reihten. Durch Abbrucharbeiten in den 70er Jahren des 20. Jh. entstand ein kleiner Platz vor dem Westgiebel dieses Gebäudes, der mittlerweile städtebaulich aufgewertet wurde.
Der durch den Abbruch entstandene westliche Fachwerkgiebel war nun fachwerksichtig und somit seit mehreren Jahrzehnten Wind und Wetter ausgesetzt. Die Notsicherung Anfang der 90er Jahre konnte den weiteren Verfall bremsen, dennoch sind mittlerweile weite Teile des Gebäudes einsturzgefährdet und bedürfen dringend einer Sicherung.