Instandsetzung historischer Gerberhäuser
Bauherr: Eigentümergemeinschaft Formann, Nobis, Danz
Bauzeit: Frühjahr 2015-Winter 2016
Leistungsphasen: 1-9, Bestandsaufnahme

Vorgeschichte
Das Gerberviertel oder besser die Gerberhausbebauung entlang der Schwemmnotte ging ursprünglich wohl über Allerheiligen bis zur Görmaerstraße Mit der Industrialisierung siedelten sich die größeren Lohgerbereien außerhalb der Kernstadt an. Die topografische Siedlungskontinuität wurde damit unterbrochen.
Die Gerber wurden bereits 1297 in dem ihnen erteilten Privilegium als solche bezeichnet, bei der Erneuerung der Urkunde 1558 wird sie als Handwerksordnung der Lohgerber übersetzt. In der Kuttelgasse finden sich Baureste einer weit größeren Ansiedelung von Gerberhäusern, allerdings an zentraler Stelle in direkter Umgebung des Gerberinnungshauses der Familie Demme am Entenbühl. Das Gerberhausgrundstück beherbergt 2 Gebäude – das höhere Gebäude zur Kuttelgasse hin diente in 3 Geschossen der Wohnnutzung. Die 3 darüber liegenden Trockenböden dienten der Trocknung der Gerbware. Im Hinterhaus waren vermutlich in den unteren Geschossen die Handwerkerräume untergebracht. Die Obergeschosse dienten ebenso der Trocknung der Gerbware.

Planung, Ausführung
Die Bauherrengemeinschaft führte in den Jahren 2014-2016 die Planung und die Sanierung der seit Jahrzehnten leerstehenden Gerberhäuser auf diesem Grundstück aus. Trotz enormer Baumasse (Trockenböden) sind hier 4 kleine Wohnungen, z.T. über 2 Etagen entstanden. Ein Ausbau der Trockenböden konnte, trotz herrlicher Fernsichten aus diesen Geschossen, aus Brandschutzgründen nicht verwirklicht werden.
Größter gestalterischer Eingriff war die Gestaltung der Westfassade. Da es sich bei der vor der Sanierung vorgefundenen Fachwerksichtigkeit um ein Zufallsprodukt handelte (durch Abbruch der Nachbarhäuser entstanden) und die Fachwerksichtigkeit an der Westfassade auch konstruktiv kaum beherrschbar ist (Schlagregenbelastung!), fiel die Entscheidung zugunsten einer modernen Fassade mit großformatiger Plattenverkleidung und scheinbar zufällig angeordneten Fensteröffnungen. Die beiden historisch sichtbaren Fassaden zur Kuttelgasse und Zum Damme dagegen wurden im Bestand erneuert (mit Dämmputz verputze Fachwerkfassade zur Kuttelgasse hin und fachwerksichtige Fassade „Zum Damme“ hin). Wo Außendämmung nicht möglich war, wurde Innendämmputz aufgebracht.  Im Zuge der Sanierung entstanden hier 4 moderne, helle und einzigartig individuelle Wohnungen mit eigenem Charme, die alle über große, bis zum Boden reichende Fenster verfügen und so wunderbare Ausblickmöglichkeiten auf die Innenstadt zulassen. Die Wohnungen Zum Damme hin haben auf der Südseite moderne, an die Fassade angehängte Stahlbalkone, die einen deutlichen Kontrast zwischen Alt und Neu darstellen. Eine moderne Holz-/Glasfassade zwischen Vorder-und Hinterhaus schafft die Verbindung zwischen beiden Gebäudeteilen. In diesem Zwickel ist die neue Treppenanlage als Stahltreppe mit aufgesetzten Eichenstufen untergebracht. Im Innenbereich wurden alle Installationen, Putze Türen, Wandoberflächen, Treppen, Fußböden erneuert.

Problematik
Das Gerberhaus Kuttelgasse 6 ist eines von vielen schmalen Gebäuden, die sich in der Kuttelgasse aneinander reihten. Durch Abbrucharbeiten in den 70er Jahren des 20. Jh. entstand ein kleiner Platz vor dem Westgiebel dieses Gebäudes, der mittlerweile städtebaulich aufgewertet wurde.
Der durch den Abbruch entstandene westliche Fachwerkgiebel war nun fachwerksichtig und somit seit mehreren Jahrzehnten Wind und Wetter ausgesetzt. Die Notsicherung Anfang der 90er Jahre konnte den weiteren Verfall bremsen, dennoch waren mittlerweile weite Teile des Gebäudes einsturzgefährdet und bedurften dringend einer Sicherung.Eine weitere Problematik stellten die sehr schiefen Fußböden verbunden mit sehr geringen Raumhöhen dar, was auch zu Konfliktpunkten bei der Planung und Ausführung der neuen Treppenanlage, die zwischen Vorder-und Hinterhaus neu eingebaut wurde und die die Erschließung der einzelnen Wohnungen in den beiden Gebäudeteilen gewährleistet, darstellte. Problematisch war hier zusätzlich noch das geringe Platzangebot.                                                                                                        

Ausführung:
2014-2016